Shadow IT: Unsichtbare Risiken
von Dimitri
In vielen Unternehmen kommt es vor, dass Mitarbeiter eigene Softwaretools, Cloud-Dienste oder Geräte verwenden, ohne dass die IT-Abteilung davon weiß oder dies offiziell genehmigt hat. Dieser Bereich, in dem sich solche Anwendungen „im Schatten“ bewegen, wird als Shadow IT bezeichnet. Oft entstehen diese zusätzlichen Lösungen aus dem Wunsch heraus, Arbeitsprozesse zu vereinfachen oder zeitnah eine bestimmte Herausforderung zu lösen. Doch trotz guter Absichten birgt Shadow IT erhebliche Gefahren für die Sicherheit und Compliance eines Unternehmens.
Was ist Shadow IT?
Shadow IT meint all jene Hard- und Software, die Mitarbeitende eigenständig für ihre tägliche Arbeit nutzen, ohne dass die offiziell vorgesehenen Richtlinien, Genehmigungen oder Konfigurationen eingehalten werden. Beispiele dafür sind:
- Kostenlose Cloud-Speicher wie Dropbox, Google Drive oder OneDrive (privates Konto), die nicht vom Unternehmen verwaltet werden
- Chat- und Kollaborationstools wie Slack, WhatsApp oder Trello, wenn sie nicht offiziell zugelassen sind
- Eigene mobile Endgeräte (Bring Your Own Device, BYOD), die ohne entsprechende Sicherheitsmaßnahmen oder Mobile Device Management im Firmennetz unterwegs sind
- Kleine SaaS-Lösungen, die ein Mitarbeiter eigenmächtig bucht, weil sie eine spezifische Funktion besonders komfortabel abdecken
Warum entsteht Shadow IT?
Mitarbeiter greifen häufig auf solche unautorisierten Tools zurück, weil sie schneller oder einfacher zu bedienen sind als die offiziellen Unternehmenslösungen. Vielleicht ist die bestehende Software schwerfällig, veraltet oder deckt einen bestimmten Bedarf nicht ab. In einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt ist die Verlockung groß, eine zeitsparende App oder einen Cloud-Dienst zu nutzen, ohne den langwierigen Prozess der IT-Freigabe abzuwarten.
Die Gefahren von Shadow IT
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Sicherheitslücken und Datenlecks
Bei der Nutzung nicht autorisierter Tools fehlt die zentrale IT-Kontrolle über Daten, Zugriffsrechte und Sicherheitsupdates. Das Risiko, dass sensible Informationen in falsche Hände gelangen oder unverschlüsselt im Netz stehen, steigt drastisch. -
Verlust an Transparenz und Compliance
Unternehmen sind an strenge Auflagen wie DSGVO oder branchenspezifische Richtlinien gebunden. Ohne Kenntnis und Kontrolle über eingesetzte Systeme und Dienste besteht das Risiko von Compliance-Verstößen. Bei Audits kann das teuer werden und dem Ruf schaden. -
Fehlende Integration und Kontrollverlust
IT-Abteilungen haben in der Regel eine übergreifende Sicherheitsstrategie. Individuell beschaffte Tools lassen sich oft nicht nahtlos in bestehende Lösungen einbinden, was zu Sicherheitsinseln führt. Ein Angreifer muss nur den schwächsten Punkt finden, um das gesamte System zu gefährden. -
Datensilos
Werden Daten in diversen, ungeprüften Anwendungen verteilt, bleiben sie für andere Unternehmensbereiche unsichtbar. Das führt zu Inkonsistenzen oder Doppelarbeit, weil unterschiedliche Versionen der gleichen Informationen existieren.
Wie erkennt man Shadow IT?
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Asset Discovery
Ein regelmäßiger Scan der Netzwerkinfrastruktur und der genutzten Dienste deckt auf, welche Geräte, Software oder Cloud-Services tatsächlich in Betrieb sind. -
Log-Analyse und Monitoring
Durch das Sammeln und Auswerten von Protokollen (z. B. Firewall-, Proxy- und DNS-Logs) lassen sich ungewöhnliche Verbindungen oder unbekannte Applikationen erkennen. -
Interne Security Checks
In Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen kann man erfragen, welche zusätzlichen Tools eingesetzt werden. Oft wissen Vorgesetzte oder Kolleginnen bereits von den „inoffiziellen“ Lösungen.
Wie kann man Shadow IT eindämmen oder verhindern?
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Klare Richtlinien und Aufklärung
Ein erster Schritt besteht darin, Mitarbeiter zu sensibilisieren, warum Shadow IT ein echtes Sicherheitsrisiko darstellt. Transparente Unternehmensrichtlinien und regelmäßige Schulungen helfen, unautorisierte Tools zu reduzieren. -
Attraktive offizielle Lösungen
Wer moderne, benutzerfreundliche und gut funktionierende Software vom Unternehmen bekommt, greift seltener zu Alternativen. Kontinuierliche Evaluierung und Aktualisierung der IT-Tools steigert die Akzeptanz. -
Zentrale Beschaffungs- und Freigabeprozesse
Ein zügiger, klar geregelter Genehmigungsprozess für neue Tools oder Geräte verhindert, dass Mitarbeiter aus Frust zur Selbsthilfe greifen. -
Technische Kontrollmechanismen
Lösungen wie Cloud Access Security Broker (CASB) oder Firewalls, die den Datenverkehr analysieren, können unbekannte Anwendungen entdecken und blockieren oder mit Richtlinien belegen. -
Aktives Asset Management
Ein systematisches Asset-Verzeichnis und regelmäßige Abgleiche sorgen dafür, dass sämtliche Geräte und Anwendungen gelistet sind. So entgeht der IT-Abteilung kein neues Tool und keine spontan angebundene Hardware.
Fazit: Schatten erhellen für mehr Sicherheit
Shadow IT entsteht zumeist aus guten Absichten – sei es, die Arbeit effizienter zu gestalten oder Lücken in vorhandenen Systemen zu schließen. Doch der unsichtbare Einsatz externer Tools und Dienste birgt erhebliche Risiken, von Datenlecks über Compliance-Verstöße bis hin zu Hackerangriffen.
Um Ihr Unternehmen umfassend zu schützen, brauchen Sie Transparenz über alle inoffiziell genutzten Ressourcen. Maßnahmen wie Asset Discovery, Monitoring und ein geordnetes Freigabeverfahren helfen, den „Schatten“ in Ihrer IT-Landschaft zu beseitigen. Mit klaren Richtlinien und nutzerfreundlichen Unternehmenslösungen kann Shadow IT eingedämmt werden, bevor sie zum Einfallstor für Cyberkriminelle wird.